15.12.2018 | 21:20 Uhr
 
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Parallele Linux-Installation  neben Windows

Um erste Schritte mit Linux zu gehen, ist es nicht notwendig Windows gänzlich auf dem Rechner zu ersetzen. U.E. auch nicht sinnvoll, da es noch immer viele Anwendungen gibt, welche unter Linux nicht funktionieren. Die bessere Lösung ist eine parallele Installation oder Einrichtung einer virtuellen Maschine über weitere Software unter Windows (z.B. VMWare oder VirtualBox).

Auf dieser Seite beschreiben wir deshalb die Planung und Durchführung der parallelen Installation einer Linux Distribution zu einem bestehenden Windows Betriebssystem auf einem Datenträger (Festplatte).

Haben Sie zwei physische Festplatten zur Verfügung, können Sie auch den zweiten Datenträger für Linux verwenden und Kapitel 1 überspringen. Wollen Sie jedoch beide Festplatten für beide Betriebssysteme verwenden, was durchaus Sinn macht, lesen Sie bitte Kapitel 1 und die Seite zum Partitionierungsbeispiel mit 2 eingebundenen Festplatten.

Wichtig ist, dass das Windowssystem zuvor installiert wurde. Sonst kann es vorkommen, dass Linux anschließend nicht mehr gebootet werden kann, weil Windows dazu neigt Bootinformationen so zu überschrieben, dass der Bootloader des Linux nichts mehr damit anfangen kann. Deshalb entscheiden wir uns für den umgekehrten Weg.

Sie sollten sich über den gesamten Installationsprozess Notizen machen, um bei evtl. auftretenden Problemen in der Lage zu sein, die einzelnen Schritte nachzuvollziehen !

1. Neupartitionierung der Festplatte(n)

Um Linux auf einem Datenträger zusätzlich zu Windows zu installieren, müssen wir zuerst Platz dafür schaffen, indem wir mind. drei weitere Laufwerke in Unix-Manier einrichten. Den Speicherplatz hierfür entnehmen wir der primären Partition (z.B. Windows C:). Für Linux benötigen wir jetzt eine primäre Root-Partition (für das eigentliche Betriebssystem, den Kernel, und weitere Installations-Software) sowie eine Home-Partition (für die Daten der Anwender) und eine Swappartition. Die Swap-Partition dient der Auslagerung bei überlastetem RAM (ähnlich wie bei Windows). Letztere sollte nicht kleiner als der RAM des Rechners sein (swap >= RAM). Die Aufteilung in mehrere Partitionen hat den Hintergund, dass man die Rootpartition später sogar neu formatieren oder auf eine andere Distribution wechseln kann, ohne dass die eigentlichen Daten angetastet werden. Manche Administratoren teilen die Root-Partition noch in weitere Partionen auf (z.B. usr, opt, var...), um u.a. den installierten Kernel isoliert zu halten. Siehe ausführliches Beispiel zur Partitionierung und Formatierung vor Installation von Linux.

Normalerweise kann eine bestehende Partition nur in der Grösse geändert werden, indem man sie löscht und neu anlegt (fdisk). Dies hat den entscheidenden Nachteil, dass alle Daten verloren gehen, was wir in unserem Fall ja nicht wollen. Sonst wäre die bestehende Windows-Installation inkl. aller Daten ebenfalls gelöscht. Um dies zu verhindern, gibt es drei Lösungsmöglichkeiten:

  • Manche Linux-Distributionen haben die Neupartitionierung bereits im Installationsprozess integriert (z.B. bei Suse Linux ab 9.x oder Redhat Fedora Core), so dass in diesem Fall ein Installations- und Partitionierungsvorschlag (inkl. Verkleinerung der Windows-Partition) angeboten wird und auch bearbeitet werden kann. Windows bleibt bei diesem Verfahren erhalten.
     
  • Neupartitionierung vor Installation mit zusätzlicher Software wie z.B. “Partition Magic” (Vista hat einen Partitionierer bereits an Bord): Unter Windows wird die Partitionierung geplant und anschließend im Batchbetrieb (nach Neustart) durchgeführt. Nach erneutem Hochfahren von Windows, erscheinen die neuen Partitionen als eigene Laufwerke bzw. gar nicht mehr (bei gewählten Dateisystemen ext2, ext3, LSwap oder bei nicht zugeordnetem, freien Speicher) und die Daten auf der verkleinerten Windows-Partition (erstes primäres Laufwerk) sind erhalten geblieben. Die neuen Partitionen oder der frei gemachte unzugeordnete Speicher werden für Linux verwendet.
     
  • Backup der bestehenden Daten mit zusätzlicher Software wie z.B. “Norton Ghost” oder “Acronis True Image”: Zuerst wird ein Festplattenimage auf einem dritten Datenträger (z.B. auf CD/DVD, externe Festplatte) erstellt, dann wird die Partition mit dem DOS-Befehl gelöscht und neu angelegt (primäre und logische Laufwerke in gewünschter Grösse), anschließend wird Windows inkl. aller Dateien wieder über das Einspielen des Festplattenimages auf der ersten primären Partition hergestellt. Für Linux wird die zweite primäre (root) sowie die dritte primäre (swap) und die vierte erweiterte logische Partition (home) verwendet (+ evtl. weitere logische Partitionen für /usr, /opt, /var etc.)

2. Linux-Installation

Jede Distribution von Linux wird auf einem Installationsmedium ausgeliefert (CD-ROMs, DVD) oder kann als Image heruntergeladen werden, das auf CD/DVD “zurückgebrannt” oder aus einem virtuellen Laufwerk gestartet werden kann.

Booten Sie Ihren Rechner nun von der Linux-CD-ROM 1 oder -DVD. Evtl. müssen Sie dies zuvor im BIOS einstellen. Es erscheint bei den meisten Distributionen nun ein Installationsprogramm, welches Sie durch die einzelnen Schritte der Installation führt oder Sie bekommen das Angebot der manuellen Installation. Je nach Distribution können Sie nun im Verlauf der Installation verschiedene Softwarepakete auswählen (z.B. OpenOffice, Apache, Samba...). I.d.R. wird auch ein Boot-Manager automatisch mit installiert, z.B. Bootloader LILO oder GRUB. Der Bootloader ermöglicht das Starten des Systems und bindet Windows mit ein, d.h. Sie haben beim Hochfahren die Auswahl, welches der beiden Systeme gebootet werden soll (ähnlich der von Windows). Siehe auch Bootloader.


3. Einrichten weiterer Partitionen

Die neuen Partitionen enthalten nun das installierte Linuxsystem. Möchten Sie weitere Dateisysteme erzeugen (zusätzlich zu root, home und swap), müssen Sie erneut partitionieren. Bei nachträglicher Partitionierung empfiehlt sich die erneute Verwendung von “Partition Magic” in obiger Manier unter Windows (Punkt 1), um keine Daten zu verlieren. Keinesfalls sollten Sie in diesem Stadium oder den von Linux verwenden, da bei unsachgemässem Gebrauch Daten verloren gehen können (siehe Punkt 1). Nur erfahrene User sollten weitere Dateisysteme aus freiem Speicherplatz oder bereits bestehenden Partitionen erzeugen !


4. Nach Installation

Nicht erkannte Hardware muss von Hand nachinstalliert werden. Zuvor sind entsprechende Lösungen zu recherchieren. Sollte keine graphische Oberfläche starten (Linux-Textmodus), geben Sie den Shell-Befehl ein. Unter Suse können die System-Grundeinstellungen über YAST (Yet Another Setup Tool) verändern und ferner kann die X-Konfiguration (Graphik) über SAX (SuSe Advanced XF86-Configurator) vorgenommen werden.

Bei der Wahl der Benutzeroberfläche haben Sie die Qual der Wahl zwischen KDE, Gnome, WindowMaker oder Blackbox u.s.w. Die letzten beiden sind schlanker und ressourcenschonender als KDE oder Gnome und eignen sich daher auch oder eher für altersschwache Rechner. Gewöhnen Sie sich aber am besten gleich das Administrieren im Textmodus (Befehlszeile) über die Shell an, so bleiben Sie von verwendeten graphischen Oberflächen unabhängig. Speziell unter Linux hat sich die Bash (Bourne Again Shell) etabliert. Die graphische Oberflächen (X) sollten dagegen eher der komfortableren Anwendung als gewöhnlicher Benutzer dienen.

Ferner sollte auch auf einem Linux-System ein Antivirenscanner zum Einsatz kommen. Siehe Anleitung HIER.


5. Nach Deinstallation

Nach Deinstallation von Linux inkl. des Bootloaders, bootet das Windows-System i.d.R. nicht mehr, weil der Bootmanager von Linux (LILO/GRUB) den MBR (Master Boot Record) überschrieben hat und dieser nun für Windows korrupt ist. Dies kann über die Repararturkonsole von Windows behoben werden (Booten von Windows-CD), indem man den Befehl <fixmbr> eingibt. Bei erneutem Hochfahren (ohne CD) sollte das Windows-System nun wieder normal booten.

Alternativ bietet sich die Verwendung des Windows Bootmanagers an, nähere Infos hierzu.


Siehe auch folgende Seiten:

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