15.12.2018 | 21:30 Uhr
 
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Smart-TV: Smart für wen? (03.03.2014)
Nach den "smart" gewordenen Mobiltelefonen sind nun die TV-Geräte dran und können eine Verbindung zum Internet aufbauen. Der Anwender kann so, neben dem gewöhnlichen Fernsehen, weitere Funktionen wie z.B. Online-Videotheken oder Spiele aufrufen sowie per Webbrowser im Internet surfen . Auch ist über weitere Apps so ziemlich alles möglich, was man vom Smartphone her kennt. Es handelt sich quasi um ein Computer mit grossem Bildschirm.
Das hört sich alles auf den ersten Blick sehr gut an. Ist es aber mitnichten. Denn der Fernseh-Computer ist im Gegensatz zu einem "richtigen" Rechner sehr einseitig ausgelegt. D.h. die Einstellungs- und Schutzmöglichkeiten seitens des "Zuschauers" sind dürftig und mager, dafür die nicht veränderlichen Voreinstellungen sehr smart für die TV-Hersteller, Sendeanstalten und natürlich nicht zuletzt für Google über das datenschutzfeindliche Tool "Google Analytics" (viele der Privatsender setzen dies ein).

Dadurch sind Sie beim "Fernsehen" nicht mehr allein, weil Ihr TV-Gerät ständig Daten über Ihr Nutzungsverhalten ins Netz schickt - auch bei vielen Geräten dann, wenn Sie die Datendienste (HbbTV = Hybrid broadband broadcast TV) deaktiviert haben.

Forscher der Technischen Universität Darmstadt haben bereits Ende 2012 sowie im Mai 2013 darüber berichtet. Auch das Fachmagazin "c`t" hat im Januar 2014 Tests durchgeführt, die im Heft 4/14 ("Der Spion im Wohnzimmer") nachzulesen sind, und den Datenabfluss nachweisen können.

Unser eigener Test mit einem brandneuen Samsung-TV verwunderte uns und ergab ein erschreckendes Szenario. Wir hatten die Internet-Verbindung über einen internen Proxyserver geleitet, der alle Datenpakete des TV-Geräts per Software "Wireshark" überwachte...ohne Zutun unsererseits war ständiger Datenverkehr in erheblichem Ausmass das Ergebnis der Analyse...Darüberhinaus arbeitete das sog. "Samsung Smart Hub" im Hintergrund nach seinem Gutdünken und installierte wild Apps, die nicht nachgefragt waren, sowie fiel durch ständige und seltsame "Aktualisierungen" (teilweise im Minutentakt) auf. Alles andere als vertrauenerweckendes Verhalten einer Software. Deshalb ist das Gerät jetzt OFFLINE und zu einem gewöhnlichen Fernseher (None-Smart-TV) degradiert.

Fazit:
Vor dem Ausspionieren kann man sich letztendlich nur schützen, indem man die Netzwerverbindungen (WLAN/LAN) des TV-Geräts kappt. Es ist wie immer dem Anwender überlassen, in welchem Umfang er zugunsten von Funktionen bereit ist persönliche Daten preiszugeben und Sicherheit aufzugeben. Im Zeitalter von "Facebook, WhatsApp und Co." scheinen sich leider nicht mehr viele darüber Gedanken zu machen, denn es ist mitunter anstrengend (Hirn 2.0).

tl;dr

Man sollte sich wenigstens im Klaren darüber sein, dass die neuen digitalen Errungenschaften ALLE ihren "smarten" Preis haben und den hat man - ohne wenn und aber - zu bezahlen!
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